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Montag, 11. Januar 2010

Back in the USSR

In die UdSSR wurden die Anubias-Pflanzen noch im Jahre 1960 dank dem bekannten Hydrobotaniker und Liebhaber der Wasserpflanzen Mark Machlin eingeführt. Darunter waren Anubias afzelii, A. congensis und A. nana. In den nachfolgenden 30 Jahren kamen etwa 20 Arten und Varietäten ins Sowjetland. Die Pflanzen tauchten absolut zufällig auf, 1-2 Stauden jeder Art. Im Nachhinein wurden sie vegetativ vermehrt und unter Liebhabern und Sammlern verbreitet. Dabei kosteten die seltesten Arten ähnlich wie Mangelwaren sündhaft teuer.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden Anubias von asiatischen und europäischen Gärtnereien auf den russichen Markt geliefert. Und im Ergebnis dieser “Invasion” verdrängten neue Sorten die ursprünglichen Arten und Varietäten. Mehrere Arten wurden verloren und sind heutzutage im Handel nicht zu finden. Doch in manchen Fleckchen unseres riesigen Landes kann man diese Pflanzen noch sehen. Das sind vor allem die Botanischen Gärten von Moskau und Sankt-Petersburg, deren Mitarbeiter trotzt des völligen Ausfalls der Finanzierung die Anubias-Sammlungen in jener krisenhaften Zeit bewahren konnten. Außerdem existieren einzelne private Sammlungen. Um eine solche private Sammlung wird es sich unten handeln.

Sergej Bodjagin ließ sich noch 1985 von Anubias hinreißen. Abgesehen davon, dass er in einer relativ kleinen Stadt (Ochansk, Region Perm, Bevölkerung zählt etwa 10000 Einwohner) lebte, gelang es ihm schnell, eine der vollständigsten Anubias-Sammlungen jener Epoche zusammen zu stellen. Und diesen Status besitzt sie auch heute. Die Pflanzen mit den “sowjetischen” Namen A.spec.elliptica, A.spec.rotundifolia, A.spec.erubescens, A.spec.spathulata und andere werden in unserer Zeit an den Ufern des Flusses Kama erfolgreich kultiviert. Dazu vermehrt Sergej seine Anubias durch Samen. Unter anderem konnte er mit Hilfe der Samenvermehrung den Bestand jeder Art beachtlich vergrößern und durch interspezifische Kreuzung neue Hybriden schaffen, die sich von ihren Elternpflanzen durch die Form der Blattspreite unterscheiden. Hier sind nur einige Beispiele dieser Kreuzungen:

A. barteri var. barteri x A. barteri var. caladiifolia
A. barteri var. nana x A. barteri var. caladiifolia
A. barteri var. caladiifolia x A. barteri var. nana
A. barteri var. nana x A. barteri var. barteri
A. barteri var. caladiifolia x A. barteri var. barteri
A. barteri var. nana x A. gilletii
A. gigantea x A. barteri var. caladifolia
A. barteri var. caladiifolia x A. gigantea
A. barteri var. caladiifolia x A. аfzelii
A. аfzelii x A. barteri var. caladiifolia
A. barteri var. nana x A. аfzelii
A. аfzelii x A. barteri var. caladiifolia
A. barteri var. nana x A. lanceolata
A. hastifolia x A. barteri var. nana
A. barteri var. nana x A. gigantea

Einige Hybriden vererben von ihren Eltern nicht nur dekorative, sondern auch nützliche biologische Merkmale. Die Kreuzungen, an denen A. barteri var. nana teilgenommen hat, können z. B. erfolgreich im Aquarium gehalten werden. Außerdem sind solche interspezifischen Kreuzungen durch ein aktiveres Wachstum und eine größere Robustheit gekennzeichnet.

Unten finden Sie die besonders interessanten Bilder der Anubias von Sergej Bodjagin.


A.spec.undulatus var.angustifolia



Der Blütenstand von A. barteri var. caladiifolia

 

Der Blütenstand und die Früchte von A.barteri var.nana
 
 

Die Infloreszenzen von A. gilletii



Die Früchte von A. gigantea
 
 

Junge Setzlinge von A. gigantea
 
 

Eine Kreuzung von A. gracilis х A. barteri var. caladiifolia
 
 
Diese und viele andere Bilder kann man auf Sergej Bodjagins Internet-Seite sehen http://www.anubias.narod.ru/
 
Der Autor dieses Beitrages: Dmitry Loginov.

Der Autor benutzte die Information von den folgenden Internetseiten: http://anubias.narod.ru/new
 und http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=23131
 Aus dem Russischen uebersetzt von: Alexander Grigorov
Photos: Sergej Bodyagin.

Sonntag, 3. Januar 2010

Einige Tipps zur Haltung von Anubias in den Hausorangerien


Es ist bekannt, dass Anubias Sumpfpflanzen sind und in der Natur an den Flussufern wachsen. Eine erfolgreiche Aquariumhaltung kann nur für eine begrenzte Zahl der Arten möglich sein, z.B. für A. afzelii, A. barteri und einige Formen von A. heterophylla. Dennoch fühlen sich sogar diese Arten viel besser bei der emersen Kultivierung, was sich in ihrem schnelleren Wachstum und ihrer häufigeren Blüte wiederspiegelt. In den großen Gewächshäusern der botanischen Gärten werden Anubias überhaupt ohne Wasser herangezogen, indem feuchter Torf oder Erde als Bodengrund verwendet wird. Diese Methode bringt gute Resultate, die Blattmasse entwickelt sich schnell und da es nicht so viel Wasser in den Blättern gibt, werden sie unter diesen Bedingungen fester und härter als die im Aquarium. Aber für kleinere Hausorangerien ist diese Methode weniger brauchbar, denn in solchen Räumen wäre es problematisch, eine ausreichende Ventilation zu gewähren, was unausweichlich zur Fäulnis des Substrates führt. Besonders optimal ist in diesem Zusammenhang die emerse Haltung, die unerwünschte anaerobe Prozesse durch Wasserzirkulation und Teilwasserwechsel vermeiden hilft. Außerdem können in diesem Fall Mineraldünger genau und gleichmäßig eingebracht werden. Diese Methode gefällt auch den Liebhabern der Wasserfauna, die ihre Pfleglinge problemlos halten können.


Anstatt des Gewächshauses kann man ein Aquarium mit dem niedrigen Wasserspiegel benutzen. Doch derartige Becken sind schwer zu pflegen. Im Idealfall bräuchte man ein Terrarium mit Seitentüren und dem wasserdichten Boden. Aber im Gegensatz zum echten Terrarium sind hier die Belüftungsöffnungen unerwünscht, weil dann die für Anubias benötigte Luftfeuchtigkeit (über 90%) schwer zu erreichen ist.

Für die Beleuchtung benutzt man am liebsten Tageslichtleuchtstoflampen, die gewöhnlich außerhalb des Gewächshauses platziert werden, um die Verbrennung der Blätter zu vermeiden. Den meisten Anubias-Arten passt der 5-15 cm-hohe Wasserspiegel. Im Wasser muss sich eine Umwälzpumpe befinden. Die Pflanzen selbst kann man in kleine Kunststofftöpfe setzen, die in der Zukunft die Pflegearbeiten (z.B. die Umpflanzung usw.) erleichtern werden. Ich benutze gewöhnlich Verpackung von Lebensmitteln (Quark- oder Joghurtbecher). Um die Wasserzirkulation zu ermöglichen, bohre ich in den Töpfen kleine Löcher durch. Die Töpfe müssen so hoch sein, dass sich ihr oberer Rand unter Wasser befindet oder ein wenig über Wasser herausragt. Als Substrat wird Kies oder Porensinter verwendet. Jeder Wasserpflanzenfreund hat seine eigene Meinung dazu, ob irgendwelche Zusätze (Ton, Asche, Torf u.ä.) hinzugefügt werden müssen. Ich habe zwar viele dieser Mischungen probiert, habe jedoch keinen wesentlichen Vorteil im Vergleich zum einfachen Kies gefunden. Man sollte nur einer Regel folgen – die Zusätze müssen nicht ein Drittel des ganzen Substratsvolumens überschreiten, ansonsten wird der Bodengrund sauer (faul), was den Tod der Pflanzen verursacht. Die Verwendung von Torf mit dem Ziel, das Wasser anzusäuern und seine Härte zu reduzieren, ist nicht immer gerechtfertigt, denn diese Wirkung ist wieder weg, sobald Sie die regelmäßigen Teilwasserwechsel beginnen. Damit aber die Ernährung der Anubias vollwertig ist, wendet man Lösungen von Mineraldüngern an. Man kann das auf verschiedene Art und Weise machen, beispielsweise Dünger für Zimmerpflanzen benutzen. Doch nicht immer haben sie eine gute chemische Balance und entsprechen aus diesem Grund den Bedürfnissen von Anubias nicht. Als Folge beobachtet man oft die Überkonzentration eines Elements, was verschiede Krankheiten der Pflanzen verursachen kann. Dieses Problem ist nur durch regelmäßigen Teilwasserwechsel zu lösen. Ein anderes Verfahren, unsere Speerblätter mit der nötigen Nahrung zu vesorgen, besteht in der Haltung von Wassertieren. Das können sowie Schnecken, als auch verschiedene Fische sein, deren Ausscheidungsprodukte von Anubias gern aufgenommen werden. Außerdem fressen die Schnecken absterbende Blätter und andere Teile der Pflanzen und erfüllen damit die Funktion der “Sanitäter” im Gewächshaus. Nichtsdestoweniger hat auch dieses Verfahren seine Nachteile. Wenn die Tiere im Gewächhaus leben, ist es unmöglich, Anubias mit chemischen Mitteln gegen Schädlinge oder Krankheiten zu behandeln.

Die Wassertemperatur im Gewächshaus muss 22-26º С betragen. Direktes Sonnenlicht ist zu vermeiden. Zwar ist solche natürliche Beleuchtung gut für die Pflanzen, aber sie kann zur Überhitzung der Luft (insbesondere im Sommer) führen. Die Überhitzung (über 30ºС) und umgekehrt die Überkühlung (unter 20º С) vertragen die Speerblätter sehr schwer.


Das wär’s. Wie Sie sehen, gibt es keine besonderen Schwierigkeiten bei der Kultivierung dieser Pflanzen in einer Hausorangerie. Es ist nicht komplizierter, als die Veilchen auf der Fensterbank heranzuziehen.
Der Autor dieses Beitrages: Dmitry Loginov.
Der Autor benutzte Infos von den folgenden Internet-Seiten:
Übersetzt aus dem Russischen: Alexander Grigorov
Fotos: Dmitry Loginov and Valentina Romanova.

© Dmitry Loginov
© Alexander Grigorov

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Algen im Aquarium

Die Algenplage ist eines der größten Probleme der Aquarianer. Besonders stark leiden die Liebhaber von langsam wachsenden Wasserpflanzen wie Anubias, denn manchmal müssen sie mehrere Wochen lang auf das neue Blatt warten, um dann alle Phasen seiner Entwicklung zu beobachten, während die Algen dieses Blatt innerhalb weniger Tage verderben können. Die Teilnehmer unseres Forums sammelten genug Information über die Bekämpfung dieser “Eroberer” und ich versuche hier die Ergebnisse unserer Beobachtungen zu summieren.



Zuerst möchte ich bemerken, dass es zwar viele Typen der Algen gibt, doch die häufgiste Ursache fast jeder Algenpflage ist die Zerstörung des biologischen Gleichgewichts, das von tausend verschiednen Faktoren abhängt: von Bestand und Zahl der Tiere, Pflanzen bis Intensivität der Beleuchtung usw. Manchmal weisen die Algen auf das “Reifen” des Aquariums, also auf das Erreichen des berüchtigten Gleichgewichts hin. Aber in den meisten Fällen müsste man die Erscheinung der neuen “Gäste” ins Auge fassen und nötige Maßnahmen treffen. Also, was tun, wenn Anubias von Algen befallen wurde? Am gefährlichsten sind die Vertreter der Gattung Compsopogon, die unter Aquarianern als “Bartalge” genannt wird.

Auf den Blättern und besonders an ihren Rändern tauchen sie in Form von schwarzen Punkten oder Pinseln auf. Es ist ist ausgesprochen schwer, diese Algen mechanisch zu entfernen, ohne die Gewebe des Blattes zu zerstören. Deshalb wird vielleicht keiner der Aquarianer das machen. Der einfachste Ausweg aus dieser Situation ist die Verwendung der biologischen Methoden. Zum Beispiel, kann man die Garnelen der Gattung Caridina oder Schnecken der Gattungen Theodoxus, Clithon oder Neretina kaufen, die dann die Algen fressen werden. Der Einsatz größerer “Algenvernichter” wie Crossocheilus siamensis ist gewöhnlich nicht effizient. Die Überzeugung, die emerse Haltung der Anubias (über Wasser) könne die Algen bekämpfen, bleibt auch ein Irrtum. Erstens, verschwindet Compsopogon von den Blättern nicht völlig, wobei die Algen so tun, als ob sie austrocknen und an die Oberfläche des Blattes “kleben”. Zweites, passt sich die “Urkraut” sehr gut an die emersen Bedingungen an und wächst auch bei hoher Luftfeuchtigkeit. Nach dem Gesagten kann man vermuten, dass hier die chemischen Bekämpfungsmethoden in den Vordergrund rücken können.

Großer Popularität erfreut sich in Russalnd eines der billigsten Spülmittel, das Natriumhypochlorit (NaOCl) enthält. Ein kurzzeitiges Spülen (30-60 Sekunden) der Anubias-Blätter führt zum Absterben der Bartalgen. Dabei sind die Gewebe des Blattes durch die gut entwickelte Kutikula geschützt und werden fast nicht beschädigt. Man muss nur Kontakte zwischen der Natrium-Hypochlorit-Lösung und den Wurzeln und Wachstumspunkten vermeiden. Nach der Behandlunh müssen die Blätter unter fliessendem Wasser sorgfältig gespült werden. Zwei oder drei Tage nach der Behandlung trennen sich die oxidierten Algenreste im Aquarium von den Blättern ab und werden von vielen Fischen, zum Beispiel von den Panzerwelsen gern gefressen. Zum Schluss möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass man mit der Haushaltschemie sehr vorsichtig umgehen muss.

Der Autor dieses Beitrages: Dmitry Loginov.

Der Autor benutzte Infos von den folgenden Internet-Seiten:(http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=18300, http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=22808)

Übersetzt aus dem Russischen: Alexander Grigorov

Fotos: Eugeniy Tochenov, Alexander Grigorov and Vladislav Elbakyan.

© Dmitry Loginov
© Alexander Grigorov

Donnerstag, 5. November 2009

Wim Crusio: "Der einzige Grund, warum ich 5 Varietäten der A. barteri auszusondern versuchte, war rein pragmatisch" (Ein "Amazonas"-Interview). Teil 1.

Anfang dieses Jahres organisierte die russische Version der deutschen Aquarium-Zeitschrift “Amazonas” ein Interview mit Herrn Prof. Wim Crusio, dem Autor der Anubias-Revision. Wir danken der russischen “Amazonas”-Redaktion für die Möglichkeit, dieses Interview in unserem Forum zu veröffentlichen.


“Amazonas”: Nachdem ich Ihre Revision gelesen habe, bekam ich den Eindruck, dass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Botaniker an diesen Pflanzen sehr interessiert waren. Mit anderen Worten sammelte man Pflanzen, beschrieb sie, revisionierte alte Beschreibungen. Was passiert heutzutage in diesem Bereich? Ist die klassische Botanik nicht mehr “in”? Sind neue Anubias-Arten seit der Veröffentlichung Ihrer Revision in der Fachliteratur beschrieben worden?

Wim Crusio: Nein, neue Arten von Anubias hat seit jener Zeit keiner beschrieben. Ich bin mir nicht sicher, dass die klassische Botanik heute aus der Mode kommt. Ich glaube, hier sind mehrere Faktoren im Spiel. Heute stehen uns viel mehr Sammlungen zur Verfügung (und man hat zu ihnen einen leichteren Zugang), als den Botanikern Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts. Wenn wir eine Sammlung bekommen, so stellt es sich oft heraus, dass viele Pflanzen darin bereits ihren wissenschaftlichen Namen haben. Und vor 100 Jahren konnte man in derselben Sammlung noch unbeschriebene Arten finden, zur Zeit ist es nicht der Fall. Dazu haben moderne Systematiker ein viel breiteres Konzept der Art ("Lumper"), als die Botaniker vor hundert Jahren ("Splitter").

“Amazonas”: Aus Ihrer Revision geht hervor, dass die Blattform der Anubias keine große taxonomische Bedeutung bei der Identifikation der Arten hat, nur der Sitz und Struktur der Theken an dem Synandrium spielen eine große Rolle. Und troztdem haben Sie auf Grund der verschiedenen Blattformen 5 Varietäten der Anubias barteri ausgesondert. Aus welchem Grund haben Sie den Arten A. auriculata und A. haullevilleana (beschrieben von Engler und Wildeman) den Status der A. hastifolia-Varietäten nicht verliehen?

Wim Crusio: Das ist eine gute Frage! Der einzige Grund, warum ich 5 Varietäten der A. barteri und nicht der A. hastifolia (oder z.B. einer anderen Art) auszusondern versuchte, war rein pragmatisch. Viele verschiedene Klone der A. barteri-Formen werden von Aquarianern kultiviert und ich begriff, dass es für diese Menschen sehr unbequem wäre, falls ich all diesen Pflanzen ein und denselben Namen, "A. barteri",gegeben hätte. Mit anderen Worten hatte ich ein Bedürfnis, innerhalb der Anubias barteri mehr Typen zu unterscheiden. Und da andere Arten viel seltener gehalten werden, spürte ich keine Notwendigkeit, ihre Varietäten zu identifizieren.

“Amazonas”: Seit langer Zeit werden Anubias in der Aquariumistik gebraucht und das machte sie sehr populär. Was bewegte Sie dann zur Untersuchung gerade dieser Pflanzen am Anfang Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn? Haben Sie zur Zeit oder hatten Sie einmal ein Aquarium oder ein Paludarium zu Hause?

Wim Crusio: Mein erstes Aquarium bekam ich mit 12 oder 13 Jahren und später began ich kleine Beiträge über Fische und Pflanzen für unseren lokalen Aquariumverein zu schreiben. Ja, es ist wahr, mein erster Beitrag war Anubias-Pflanzen gewidmet! Aber damals habe ich sie nicht richtig erkannt und auf Grund der Zeichnungen im Buch von de Wit als Lagenandra lancifolia bezeichnet. Dank meinem Hobby beschloss ich Biologie an der Universität Nijmegen zu studieren. Um Magister zu werden, hatte ich drei Forschungsprojekte durchzuführen: zwei 6-monatige und ein 12-monatiges. Ich war an der biologischen Systematik interessiert und fragte Herrn Prof. de Wit aus Wageningen, ob ich eines meiner 6-monatigen Projekte bei ihm erledigen kann. Ursprünglich schlug er mir vor, die Gattung Cabomba zu erforschern, aber die Mitarbeiter seines Laboratoriums waren dagegen (denn offiziell spezialisierte sich das Labor auf afrikanische Pflanzen). De Wit schlug dann Mayaca vor, aber eine neue Revision dieser Gattung war bereits vor einigen Monaten erschienen. Dann rief er Herrn Josef Bogner aus München an und dieser wählte Anubias. Das war eine grössere Art, als de Wit wollte (nicht vergessen, dass das Projekt nur ein halbes Jahr dauern musste), trotzdem fingen wir die Arbeit an. In 7 Monaten war meine Revision fertig. Danach schaltete ich mich auf die Forschung des genetisch bedingten Verhaltens von Mäusen um und verteidigte meinen Doktortitel. Zwar hatte ich seit jener Zeit kein Aquarium zu Hause, hielt jedoch Arten von Anubias, Cryptocoryne und Lagenandra in dem Treibhaus des Botanischen Gartens Nijmegen. Ich machte einige experimentale interspezifische Kreuzungen, hatte leider keine Möglichkeit, diese Arbeit fortzusetzten (ihre Ergebnisse enthält die deutsche Übersetzung meiner Anubias-Revision). Nach meiner Promotion verließ ich die Niederlande und arbeitete zunächst in Heidelberg, dann in Paris. Von dort aus hatte ich natürlich keinen Zugang zu dem Treibhaus, meine Mäuse-Forschungen nahmen mich voll in Anspruch. Also seit der Mitte der 1980er beschäftige ich mich mit Aquarien oder Aquariumpflanzen nicht so aktiv. Aber wenn ich mich in den Ruhestand begehe, fange ich bestimmt wieder an, Aquarien (und Wasserpflanzen!) zu halten..

“Amazonas”: Es ist bekannt, dass sich die Anubias-Arten sehr leicht miteinander kreuzen. Es wurden viele Hybriden von diesen Pflanzen künstlich geschaffen. Gewiss können wir diese Prozesse auch in der Natur beobachten. In Hinsicht auf den relativen Charakter des Begriffs “Art” in der Biologie sowie die Revison, die die Arten nur auf Grund ihrer Verwandschaft ordnet, ist es trotzdem interessant zu wissen, wie Ihre Revision die Existenz möglicher Naturkreuzungen der Anubias berücksichtigt. Sollte man Ihrer Meinung nach auch genetische Merkmale in modernen Revisionen in Betracht nehmen (so war es auch der Fall in der Echinodorus-Revision von Lehtonen)?

Wim Crusio: 1977 (als ich an meiner Anubias-Revision arbeitete) verfügten wir über solche Forschungsmethoden nicht. Es wäre natürlich interessant, mir diese Hybriden anzuschauen! Ob es viele Naturkreuzungen gibt, weiss ich nicht. Und vergessen Sie nicht, dass sich die Verbreitungsgebiete mancher Arten (zum Beispiel A. afzelii) nicht überlappen.

”Amazonas”: Können Sie uns Internetseiten empfehlen, die mehr oder wenig volle Informationen über Anubias enthalten?

Wim Crusio: Tatsächlich kenne ich keine empfehlenswerten Seiten…

“Amazonas”: Sind Ihnen Liebhaber bekannt, die eine möglichst komplette Sammlung von Anubias besitzen? Wenn ja, dann wie könnte man mit ihnen Kontakte anknüpfen, um unsere Erfahrungen auszutauschen?

Wim Crusio: Ich muss es gestehen, ich habe seit langem keine Kontakte mit denen, die sich für Wasserpflanzen interessieren. Ich kann nur vermuten, dass Josef Bogner aus München noch eine gute Sammlung hat oder auch andere Sammler kennt.

“Amazonas”: In diesem Zusammenhang möchte ich fragen, ob Sie eine Anubias hastifolia Engl. in Ihrer Sammlung hatten oder haben? Wenn ja, dann würde ich Sie bitten, uns die Blätter und – wenn möglich – den Blutenstand zu zeigen.

Wim Crusio: Ja, ich hatte diese Art (momentan nicht). Ich besitze Dias, habe aber keinen Scanner dafür. Wenn ich mich nicht irre, gab es Bilder dieser Art in der deutschsprachigen Version meiner Revision.

“Amazonas”: Können Sie, bitte, die Situation um Anubias pynaertii erläutern? Bei der Arbeit an Ihrer Revision hatten Sie mit mehreren Belegen zu tun, aber damals wuchsen die Pflanzen nur in Ihrem Labor in Wageningen. Zur Zeit bleibt A. pynaetrii eine große Seltenheit. Zum Bespiel in Russland wird sie überhaupt nicht kultiviert. Unter der Bezeichnung “A. pynaertii” kann man eine Pflanze mit der folgenden Blattform kaufen (siehe das Bild unten). Was ist Ihres Erachtens der Grund dafür, dass diese Art so rar ist?




Wim Crusio: Ich bin mir nicht sicher, dass das Blatt auf dem Bild zu A. pynaertii gehört, aber es ist durchaus möglich. Für eine sichere Indentifizierung bräuchte ich die Infloreszenz von dieser Pflanze. Ich weiss auch nicht, warum sie so selten ist, denn ihre Kultivierung nicht komplizierter als die der anderen Arten.

Fortsetzung folgt

Interview: Alexander Grigorov

Foto: Dmitrij Loginow

© Alexander Grigorov

Samstag, 31. Oktober 2009

Die Revision der Gattung Anubias: 30 Jahre später


Im Jahre 1979 verteidigte der junge Wim Crusio im holländischen Wageningen seine erste solide wissenschaftliche Arbeit, die er unter der Leitung von Herrn Prof. De Wit geschrieben hatte. So kam die auch noch heute gültige Revision der Gattung Anubias zur Welt. Schon damals lockten diese westafrikanischen Uferpflanzen die Aquarianer an und ihr Interesse wurde von Jahr zu Jahr nur größer. In unserer Zeit gibt es Anubias-Freunde, die diese Pflanzen in speziellen kleinen Treibhäusern im emersen Zustand halten, ihre Physiologie und Samenvermehrung studieren und etc. Viele neue Sorten überschwemmen den Markt, und so kommt es hier immer häufiger zur Frage, ob die Revision noch aktuell bleibt. Ist sie nicht veraltet? Diese Frage berühren wir noch einmal am Ende dieses Beitrages, jetzt aber gehen wir kurz darauf ein, wie Herr Crusio die Systematik von Anubias revolutionierte.

Als wichtigstes artbestimmendes Merkmal wählte er die Struktur des Blutenstandes oder der Infloreszenz. Nach diesem Merkmal wurde die Artenzahl auf 8 reduziert. Bei der Arbeit an der Revision gebrauchte man Herbariumbelege, lebende Pflanzen, (Erst-)Beschreibungen der Vorgänger wie A. Engler und N.E. Brown. Einige Bezeichnungen wurden als Synonyme der gültigen Arten anerkannt, die anderen bekamen den Status von Varietäten innerhalb der Art Anubias barteri, die dritten (Anubias auriculata, A. haullivelleana, A. affinis u.a.) verschwanden für ewig. Aber in wieweit richtig ist dieser einheitliche Maßstab? Es ist nicht leicht, diese Frage eindeutig zu beantworten. Wenn wir die Definition des Wortes “Art” berücksichtigen, - und die ist sehr schwammig, - so ist wahrscheinlich alles richtig. Doch für Sammler und Aquarianer ist es unbequem, denn viele Pflanzen, die sehr ähnliche Blutenstände haben, unterscheiden sich von einander durch die Blattform. Im Endeffekt wachsen in manchen Aquarien zwei verschiedene A. hastifolia, mehrere Varietäten von A. heterophylla, geschweige denn viele Sorten mit Handelsbezeichnungen, die man manchmal auch für Arten hält. Dies ist im Grunde genommen falsch, weil solche Pflanzen wie A. barteri ‘Broad Leaf’ und A. barteri var. nana ‘Petite’ mit der Revision der wilden Anubias-Arten nicht zu tun haben.

Und jetzt zurück zu der Frage: Ist die Revision von 1979 veraltet? Nein! Vom Standpunkt der klassischen Botanik aus kann sie nicht aus dem Gebrauch kommen, weil es in den letzten 30 Jahren keine neue Art beschrieben worden ist. Sie kann ursprünglich unrichtig oder unvollkommen sein, aber nicht obsolet! Für eine vollkommenere Revision muss man nach anderen morphologischen Merkmalen und neuen Betrachtungsweisen suchen. Anfang der 1990-er hatte der Moskauer Botaniker Michail Serebryany seine eigene Ansicht über diese Frage. Davon wurde leider keine einzige Zeile veröffentlicht und gerade deswegen bleibt die von ihm vorgeschlagene neue Art A. erubescens nach wie vor ein Synonym für A. afzelii. Trotzdem hegt er die Hoffnung, seine Sache zum Klappen zu bringen.


Es scheint mir, dass die Zukunft der auf genetischen Merkmalen basierten Systematik gehört. Eine breite Verwendung dieses Herangehens scheitert heute an sehr kostenspieligen genetischen Untersuchungen, darum setzt die Welt fort, die “immergrüne” Revision von Wim Crusio zu benutzen …


Der Autor des Beitrages: Dmitrij Loginov, Moderator des Russischen Anubias-Forums.

Im Beitrag wurden die Informationen von den folgenden Seiten verwendet: (http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=17582, http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=18171)

Übersetzt aus dem Russischen von Alexander Grigorov

Photo: Titelseite der Revision. Crusio W. A revision of Anubias Schott (Araceae) // Meded. Landbouwhogeschool Wageningen. – 1979.

© 2009 Dmitrij Loginov
© 2009 Alexander Grigorov