Montag, 11. Januar 2010

Back in the USSR

In die UdSSR wurden die Anubias-Pflanzen noch im Jahre 1960 dank dem bekannten Hydrobotaniker und Liebhaber der Wasserpflanzen Mark Machlin eingeführt. Darunter waren Anubias afzelii, A. congensis und A. nana. In den nachfolgenden 30 Jahren kamen etwa 20 Arten und Varietäten ins Sowjetland. Die Pflanzen tauchten absolut zufällig auf, 1-2 Stauden jeder Art. Im Nachhinein wurden sie vegetativ vermehrt und unter Liebhabern und Sammlern verbreitet. Dabei kosteten die seltesten Arten ähnlich wie Mangelwaren sündhaft teuer.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden Anubias von asiatischen und europäischen Gärtnereien auf den russichen Markt geliefert. Und im Ergebnis dieser “Invasion” verdrängten neue Sorten die ursprünglichen Arten und Varietäten. Mehrere Arten wurden verloren und sind heutzutage im Handel nicht zu finden. Doch in manchen Fleckchen unseres riesigen Landes kann man diese Pflanzen noch sehen. Das sind vor allem die Botanischen Gärten von Moskau und Sankt-Petersburg, deren Mitarbeiter trotzt des völligen Ausfalls der Finanzierung die Anubias-Sammlungen in jener krisenhaften Zeit bewahren konnten. Außerdem existieren einzelne private Sammlungen. Um eine solche private Sammlung wird es sich unten handeln.

Sergej Bodjagin ließ sich noch 1985 von Anubias hinreißen. Abgesehen davon, dass er in einer relativ kleinen Stadt (Ochansk, Region Perm, Bevölkerung zählt etwa 10000 Einwohner) lebte, gelang es ihm schnell, eine der vollständigsten Anubias-Sammlungen jener Epoche zusammen zu stellen. Und diesen Status besitzt sie auch heute. Die Pflanzen mit den “sowjetischen” Namen A.spec.elliptica, A.spec.rotundifolia, A.spec.erubescens, A.spec.spathulata und andere werden in unserer Zeit an den Ufern des Flusses Kama erfolgreich kultiviert. Dazu vermehrt Sergej seine Anubias durch Samen. Unter anderem konnte er mit Hilfe der Samenvermehrung den Bestand jeder Art beachtlich vergrößern und durch interspezifische Kreuzung neue Hybriden schaffen, die sich von ihren Elternpflanzen durch die Form der Blattspreite unterscheiden. Hier sind nur einige Beispiele dieser Kreuzungen:

A. barteri var. barteri x A. barteri var. caladiifolia
A. barteri var. nana x A. barteri var. caladiifolia
A. barteri var. caladiifolia x A. barteri var. nana
A. barteri var. nana x A. barteri var. barteri
A. barteri var. caladiifolia x A. barteri var. barteri
A. barteri var. nana x A. gilletii
A. gigantea x A. barteri var. caladifolia
A. barteri var. caladiifolia x A. gigantea
A. barteri var. caladiifolia x A. аfzelii
A. аfzelii x A. barteri var. caladiifolia
A. barteri var. nana x A. аfzelii
A. аfzelii x A. barteri var. caladiifolia
A. barteri var. nana x A. lanceolata
A. hastifolia x A. barteri var. nana
A. barteri var. nana x A. gigantea

Einige Hybriden vererben von ihren Eltern nicht nur dekorative, sondern auch nützliche biologische Merkmale. Die Kreuzungen, an denen A. barteri var. nana teilgenommen hat, können z. B. erfolgreich im Aquarium gehalten werden. Außerdem sind solche interspezifischen Kreuzungen durch ein aktiveres Wachstum und eine größere Robustheit gekennzeichnet.

Unten finden Sie die besonders interessanten Bilder der Anubias von Sergej Bodjagin.


A.spec.undulatus var.angustifolia



Der Blütenstand von A. barteri var. caladiifolia

 

Der Blütenstand und die Früchte von A.barteri var.nana
 
 

Die Infloreszenzen von A. gilletii



Die Früchte von A. gigantea
 
 

Junge Setzlinge von A. gigantea
 
 

Eine Kreuzung von A. gracilis х A. barteri var. caladiifolia
 
 
Diese und viele andere Bilder kann man auf Sergej Bodjagins Internet-Seite sehen http://www.anubias.narod.ru/
 
Der Autor dieses Beitrages: Dmitry Loginov.

Der Autor benutzte die Information von den folgenden Internetseiten: http://anubias.narod.ru/new
 und http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=23131
 Aus dem Russischen uebersetzt von: Alexander Grigorov
Photos: Sergej Bodyagin.

Sonntag, 3. Januar 2010

Einige Tipps zur Haltung von Anubias in den Hausorangerien


Es ist bekannt, dass Anubias Sumpfpflanzen sind und in der Natur an den Flussufern wachsen. Eine erfolgreiche Aquariumhaltung kann nur für eine begrenzte Zahl der Arten möglich sein, z.B. für A. afzelii, A. barteri und einige Formen von A. heterophylla. Dennoch fühlen sich sogar diese Arten viel besser bei der emersen Kultivierung, was sich in ihrem schnelleren Wachstum und ihrer häufigeren Blüte wiederspiegelt. In den großen Gewächshäusern der botanischen Gärten werden Anubias überhaupt ohne Wasser herangezogen, indem feuchter Torf oder Erde als Bodengrund verwendet wird. Diese Methode bringt gute Resultate, die Blattmasse entwickelt sich schnell und da es nicht so viel Wasser in den Blättern gibt, werden sie unter diesen Bedingungen fester und härter als die im Aquarium. Aber für kleinere Hausorangerien ist diese Methode weniger brauchbar, denn in solchen Räumen wäre es problematisch, eine ausreichende Ventilation zu gewähren, was unausweichlich zur Fäulnis des Substrates führt. Besonders optimal ist in diesem Zusammenhang die emerse Haltung, die unerwünschte anaerobe Prozesse durch Wasserzirkulation und Teilwasserwechsel vermeiden hilft. Außerdem können in diesem Fall Mineraldünger genau und gleichmäßig eingebracht werden. Diese Methode gefällt auch den Liebhabern der Wasserfauna, die ihre Pfleglinge problemlos halten können.


Anstatt des Gewächshauses kann man ein Aquarium mit dem niedrigen Wasserspiegel benutzen. Doch derartige Becken sind schwer zu pflegen. Im Idealfall bräuchte man ein Terrarium mit Seitentüren und dem wasserdichten Boden. Aber im Gegensatz zum echten Terrarium sind hier die Belüftungsöffnungen unerwünscht, weil dann die für Anubias benötigte Luftfeuchtigkeit (über 90%) schwer zu erreichen ist.

Für die Beleuchtung benutzt man am liebsten Tageslichtleuchtstoflampen, die gewöhnlich außerhalb des Gewächshauses platziert werden, um die Verbrennung der Blätter zu vermeiden. Den meisten Anubias-Arten passt der 5-15 cm-hohe Wasserspiegel. Im Wasser muss sich eine Umwälzpumpe befinden. Die Pflanzen selbst kann man in kleine Kunststofftöpfe setzen, die in der Zukunft die Pflegearbeiten (z.B. die Umpflanzung usw.) erleichtern werden. Ich benutze gewöhnlich Verpackung von Lebensmitteln (Quark- oder Joghurtbecher). Um die Wasserzirkulation zu ermöglichen, bohre ich in den Töpfen kleine Löcher durch. Die Töpfe müssen so hoch sein, dass sich ihr oberer Rand unter Wasser befindet oder ein wenig über Wasser herausragt. Als Substrat wird Kies oder Porensinter verwendet. Jeder Wasserpflanzenfreund hat seine eigene Meinung dazu, ob irgendwelche Zusätze (Ton, Asche, Torf u.ä.) hinzugefügt werden müssen. Ich habe zwar viele dieser Mischungen probiert, habe jedoch keinen wesentlichen Vorteil im Vergleich zum einfachen Kies gefunden. Man sollte nur einer Regel folgen – die Zusätze müssen nicht ein Drittel des ganzen Substratsvolumens überschreiten, ansonsten wird der Bodengrund sauer (faul), was den Tod der Pflanzen verursacht. Die Verwendung von Torf mit dem Ziel, das Wasser anzusäuern und seine Härte zu reduzieren, ist nicht immer gerechtfertigt, denn diese Wirkung ist wieder weg, sobald Sie die regelmäßigen Teilwasserwechsel beginnen. Damit aber die Ernährung der Anubias vollwertig ist, wendet man Lösungen von Mineraldüngern an. Man kann das auf verschiedene Art und Weise machen, beispielsweise Dünger für Zimmerpflanzen benutzen. Doch nicht immer haben sie eine gute chemische Balance und entsprechen aus diesem Grund den Bedürfnissen von Anubias nicht. Als Folge beobachtet man oft die Überkonzentration eines Elements, was verschiede Krankheiten der Pflanzen verursachen kann. Dieses Problem ist nur durch regelmäßigen Teilwasserwechsel zu lösen. Ein anderes Verfahren, unsere Speerblätter mit der nötigen Nahrung zu vesorgen, besteht in der Haltung von Wassertieren. Das können sowie Schnecken, als auch verschiedene Fische sein, deren Ausscheidungsprodukte von Anubias gern aufgenommen werden. Außerdem fressen die Schnecken absterbende Blätter und andere Teile der Pflanzen und erfüllen damit die Funktion der “Sanitäter” im Gewächshaus. Nichtsdestoweniger hat auch dieses Verfahren seine Nachteile. Wenn die Tiere im Gewächhaus leben, ist es unmöglich, Anubias mit chemischen Mitteln gegen Schädlinge oder Krankheiten zu behandeln.

Die Wassertemperatur im Gewächshaus muss 22-26º С betragen. Direktes Sonnenlicht ist zu vermeiden. Zwar ist solche natürliche Beleuchtung gut für die Pflanzen, aber sie kann zur Überhitzung der Luft (insbesondere im Sommer) führen. Die Überhitzung (über 30ºС) und umgekehrt die Überkühlung (unter 20º С) vertragen die Speerblätter sehr schwer.


Das wär’s. Wie Sie sehen, gibt es keine besonderen Schwierigkeiten bei der Kultivierung dieser Pflanzen in einer Hausorangerie. Es ist nicht komplizierter, als die Veilchen auf der Fensterbank heranzuziehen.
Der Autor dieses Beitrages: Dmitry Loginov.
Der Autor benutzte Infos von den folgenden Internet-Seiten:
Übersetzt aus dem Russischen: Alexander Grigorov
Fotos: Dmitry Loginov and Valentina Romanova.

© Dmitry Loginov
© Alexander Grigorov

Montag, 14. Dezember 2009

Was verbirgt sich hinter Anubias sp. Frazeri?



Im Laufe des letzten Jahrzehntes war diese Anubias zwar ständig in den meisten US-Zoogeschäften zu kaufen, jedoch wussten wir über diese Pflanze sehr wenig. Auch heutzutage ist es nicht klar, welchen Platz Anubias sp. Frazeri in der Systematik dieser Gattung einnimmt. Ich bin mir nicht sicher, wie die Bezeichnung dieser Pflanze geschrieben werden muss – als die einer Sorte oder als ein Handelsname. Einen Hinweis auf die Registrierung der Sorte Anubias ‘Frazeri’ konnte ich nicht finden, deswegen entschied ich mich dafür, den Zusatz “sp.” hinzuzufügen, was in der Systematik eine nicht näher bezeichnete Spezies bedeutet.

Es wird vermutet, dass die Pflanze zu Ehren des bekannten Züchters Edwin Frazer genannt wurde, der sein ganzes Leben in Australien gearbeitet hat. Deshalb ist es vielleicht möglich, dass Anubias sp. Frazeri eine von Frazer oder einem anderen Botaniker geschaffene Hybride ist. Ich machte mich mit dieser Anubias vor drei Jahren bekannt. Nachdem ich das Paket von einem amerikanischen Internet-Shop geöffnet hatte, sah ich eine kleine Anubias-Staude mit lanzettlichen Blättern, die mich an A. barteri var. glabra oder A. afzelii erinnerten. Ich staunte nicht schlecht, als in einem halben Jahr eines der Blätter (gleich an der Basis der Blattlamina) kleine, aber deutliche “Ohrläppchen” aufwies.
Eine weitere Kultivierung zeigte, dass die Blattlamina sehr variabel sein kann, was auch von den Haltungsbedingungen abhängt. Sogar bei erwachsenen Pflanzen variiert sich die Form der Blattlamina von herz- bis ohrenartig gerundet. Als ich mir diese “Ohrläppchen” zum ersten Mal anschaute, dachte ich an Englers Buch “Das Pflanzenreich” und seine A. auriculata Engler. Dies hat mich auf die Idee gebracht, dass Anubias sp. Frazeri die moderne “Verkörperung” von A. auriculata sein könnte.


Aber ich zweifelte noch eine Weile, denn es gab keinen Blütenstand von Anubias sp. Frazeri. Eine Recherche im Internet führte mich zum Photo von dem US-amerikanischen Freund der Pflanzen Cesar A. Castillo, doch die Qualität des Bildes war nicht ausreichend, um die Struktur der männlichen Blumen am Blütenkolben betrachten zu können. Im Nachhinein bildete die Pflanze einige Infloreszenzen, die mit denen von A. hastifolia ähnlich waren. Genau zu dieser Art zählte Wim Crusio in seiner Revision A. auriculata. Die Farbe der Infloreszenz erwies sich als sehr veränderlich, eben so wie die Form der Blätter. Ich sah zum Beispiel Blütenstände mit der rötlichen Spatha, mit rosa Staubfaden oder Narben.

Die Synandrien bestehen aus 4-6 zusammengewachsenen Staubfaden. Die Theken befinden sich an der Kante oder auch seitlich des Synandriums. Darüber hinaus kann Anubias sp. Frazeri zu A. hastifolia zugerechnet werden, denn die Kriterien der Identifizierung von Anubias-Arten sind ziehmlich vage und undeutlich. Wenn es aber um eine Hybride geht, so muss unter den Eltern ohne Zweifel A. hastifolia sein.


Bei der emersen Haltung zeigt sich Anubias sp. Frazeri als eine sehr anspruchslose Pflanze und wächst ziemmlich zügig. Die Blätter sitzen am Rhizom sehr weit voneinander, darum kann diese Anubias in relativ kurzer Zeit eine große Fläche in einem Florarium oder Paludarium bewachsen.


Der Autor dieses Beitrages: Dmitry Loginov.
Aus dem Russishen übersetzt von Alexander Grigorov

Photos: Dmitry Loginov und Cesar A. Castillo.


Der Autor benutzte Information von den folgenden Internetseiten:http://www.tropica.ru/modules/ss/item.php?itemid=144 and http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=22863

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Algen im Aquarium

Die Algenplage ist eines der größten Probleme der Aquarianer. Besonders stark leiden die Liebhaber von langsam wachsenden Wasserpflanzen wie Anubias, denn manchmal müssen sie mehrere Wochen lang auf das neue Blatt warten, um dann alle Phasen seiner Entwicklung zu beobachten, während die Algen dieses Blatt innerhalb weniger Tage verderben können. Die Teilnehmer unseres Forums sammelten genug Information über die Bekämpfung dieser “Eroberer” und ich versuche hier die Ergebnisse unserer Beobachtungen zu summieren.



Zuerst möchte ich bemerken, dass es zwar viele Typen der Algen gibt, doch die häufgiste Ursache fast jeder Algenpflage ist die Zerstörung des biologischen Gleichgewichts, das von tausend verschiednen Faktoren abhängt: von Bestand und Zahl der Tiere, Pflanzen bis Intensivität der Beleuchtung usw. Manchmal weisen die Algen auf das “Reifen” des Aquariums, also auf das Erreichen des berüchtigten Gleichgewichts hin. Aber in den meisten Fällen müsste man die Erscheinung der neuen “Gäste” ins Auge fassen und nötige Maßnahmen treffen. Also, was tun, wenn Anubias von Algen befallen wurde? Am gefährlichsten sind die Vertreter der Gattung Compsopogon, die unter Aquarianern als “Bartalge” genannt wird.

Auf den Blättern und besonders an ihren Rändern tauchen sie in Form von schwarzen Punkten oder Pinseln auf. Es ist ist ausgesprochen schwer, diese Algen mechanisch zu entfernen, ohne die Gewebe des Blattes zu zerstören. Deshalb wird vielleicht keiner der Aquarianer das machen. Der einfachste Ausweg aus dieser Situation ist die Verwendung der biologischen Methoden. Zum Beispiel, kann man die Garnelen der Gattung Caridina oder Schnecken der Gattungen Theodoxus, Clithon oder Neretina kaufen, die dann die Algen fressen werden. Der Einsatz größerer “Algenvernichter” wie Crossocheilus siamensis ist gewöhnlich nicht effizient. Die Überzeugung, die emerse Haltung der Anubias (über Wasser) könne die Algen bekämpfen, bleibt auch ein Irrtum. Erstens, verschwindet Compsopogon von den Blättern nicht völlig, wobei die Algen so tun, als ob sie austrocknen und an die Oberfläche des Blattes “kleben”. Zweites, passt sich die “Urkraut” sehr gut an die emersen Bedingungen an und wächst auch bei hoher Luftfeuchtigkeit. Nach dem Gesagten kann man vermuten, dass hier die chemischen Bekämpfungsmethoden in den Vordergrund rücken können.

Großer Popularität erfreut sich in Russalnd eines der billigsten Spülmittel, das Natriumhypochlorit (NaOCl) enthält. Ein kurzzeitiges Spülen (30-60 Sekunden) der Anubias-Blätter führt zum Absterben der Bartalgen. Dabei sind die Gewebe des Blattes durch die gut entwickelte Kutikula geschützt und werden fast nicht beschädigt. Man muss nur Kontakte zwischen der Natrium-Hypochlorit-Lösung und den Wurzeln und Wachstumspunkten vermeiden. Nach der Behandlunh müssen die Blätter unter fliessendem Wasser sorgfältig gespült werden. Zwei oder drei Tage nach der Behandlung trennen sich die oxidierten Algenreste im Aquarium von den Blättern ab und werden von vielen Fischen, zum Beispiel von den Panzerwelsen gern gefressen. Zum Schluss möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass man mit der Haushaltschemie sehr vorsichtig umgehen muss.

Der Autor dieses Beitrages: Dmitry Loginov.

Der Autor benutzte Infos von den folgenden Internet-Seiten:(http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=18300, http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=22808)

Übersetzt aus dem Russischen: Alexander Grigorov

Fotos: Eugeniy Tochenov, Alexander Grigorov and Vladislav Elbakyan.

© Dmitry Loginov
© Alexander Grigorov

Dienstag, 24. November 2009

Die erste Erwähnung von Anubias in der Fachliteratur

Achtung: Diese kleine Einleitung zu Schotts Skizzen basiert nur auf zum Teil glaubwuerdigen Tatsachen! Dies ist also meine persoenliche Vision, die nicht unbedingt den realen Ereignissen entsprechen muss!

1857 erhielt Heinrich Schott, Direktor der österreichischen Hofgärten und der kaiserlichen Menagerie eine Sendung aus Schweden. Der Name des Senders war Elias Magnus Fries, Direktor des Museums und des Gartens der Uni Uppsala. In einem Holzkasten befand sich ausser anderen Pflanzen eine abgezehrte Staude, die eine mehrere tausend Kilometer lange Reise nach Wien hinter sich hatte. In seinem Begleitbrief, der auch eine Liste von den zugesandten Pflanzen enthielt, ging es um eine unbekannte Art. In dem Kommentar schrieb Herr Fries, dass diese Staude aus Adam Afzelius’ Pflanzensammlung stammte, die die Verwandten des verstorbenen Botanikers an die Universität Uppsala verkauft hatten. Der hochbetagte Fries hatte keine Zeit, sich mit der afrikanischen Erbschaft von Afzelius zu beschäftigen, denn seine wissenschaftliche Leidenschaft waren immer Pilze. Er wusste über das Interesse des Wieners an der Flora des “Schwarzen Kontinents” und schickte dem Kollegen einige Exemplare aus der Sammlung. Kurz entschlossen benannte Schott den “Neuling” mit dem klangvollen Namen “Anubias”, einer Ableitung vom “Anubis”, dem altgägyptischen Totengott. Am 27. November 1757 schickte der Hofgärtner seine “Aroideen-Skizzen” an die Redaktion des Ősterreichischen Botanischen Wochenblatts. So entstand in der Fachliteratur die allererste Erwähnung einer der populärsten Aquarienpflanzen. Den vollen Text der “Skizzen” finden Sie unten. Die Bilder zeigen Pflanzen aus den Sammlungen Dmitry Loginovs und des Botanischen Gartens Moskau.



Aroideen-Skizzen
Von H. Schott.

Unter den Exemplaren, welche Afzelius in Sierra-Leone sammelte, befindet sich eines, das unsere Aufmerksamkeit besonders verdient. Ob die Pflanze, der diess Exemplar entnommen wurde, eher den terrestren oder epidendren Gewächsen zuzuzählen, war wegen Unvollkommenheit desselben nicht feslzusetzen. Allein sowohl das Blatt mit seiner Aderung, wie die den Blüthenkolben umhüllende Spatha bestimmten sogleich zur Anerkennung euner noch nicht dagawesenen Gattung, die sich auch beш weiterer Untersuchung der Blüthe als vollkommen gerechtfertigt erwies. Wir glauben das interessante Genus aus einer uns leider noch immer zu unbekannt gebliebenen Weltgegend dem wissenschaftlichen Besitze nicht vorenthalten zu dürfen, und entsenden daher, indem wir auch hier wieder anführen, dass wir dasselbe dem Wohlwollen des würdigen Elias Fries verdanken, die Charactere desselben zugleich mit den allfälligen specifischen Kennzeichen.


A n u b i a s. Spatha cylindrice-voluta, lamina hiante. Spadix spatham excedens, ubique organis tectus, inferne ovaries, medio synondrodiis, reliqua parte synandriis apicem (inflorescentiae) versus imperfectis obsitus. Ovaria bilocularia, loculamentis multiovulatis, ovulis e medio axeos exertis, longule-funiculatis, hemianatropis, micropyle tholispectante. Stylus brevissimus. Stigmaconvexo-diseoideum, Synandria truncata, loculis quam connective brevioribus. Synandrodia synandriis similia.
A n u b i a s Afzelii. Peliolus 5--6 pollicaris, lenuis, ultra medium vaginatus, apice in geniculum longulum transiens. Lamina fol. elongato-lanceolata, peliolo multo-longior, inferne cuneala, el ima basi abrupte cure geniculo juncta, apice longe-acuminala, venis arcualo-patentibus, creberrimis, approximatis, hinc inde confluenlibus, pseudoneuris in ipso margine 2-bus, venulis transversis, copiosissimis, approximatissimis, tenuissimis in strucla. Pedunculus 9-10 pollices lonqus, tenuis. Spatha bipollicaris, apice repentiaocontracta, apiculata. Spadix tenuis, spatham 6ta parte superans breviter-stipitalus. Habit. in Sierra-Leone (Afzelius).

Schönbrunn, 27. November, 1857.

Der Autor des Beitrages: Alexander Grigorov.

Im Beitrag wurden die Informationen von der folgenden Seite verwendet:
http://www.tropica.ru/forum/index.php?showtopic=22762&pid=214069&st=0&#entry214069
Fotos: Dmitry Loginov

© Alexander Grigorov
© Dmitry Loginov

Mittwoch, 18. November 2009

Anubias gilletii – Perle der Hausorangerieen


A. gilletii ist meines Erachtens einer der schönsten Vertreter der Gattung Anubias. Diese Art hat pfeilförmige Blätter, die sich auf bis zu 60 cm langen (in meinem Glaushaus), feinen Blattstielen horizontal zur Wasseroberfläche befinden. Das Rhizoms erreicht einen Durchmesser von 1 cm. Die Blattstiele sitzen daran sehr eng aneinander und streben zur Lichtquelle empor. Schon das erinnert einen an einen wunderbaren Schnittblumenstrauß in der Vase. Und dünne, kleine und scharfe Stachel sind denen von Rosen ähnlich.

Noch dazu blüht A. gilletii üppig das ganze Jahr hindurch. An meiner Anubias gilletii habe ich gleichzeitig bis auf 7 Blütenstände beobachtet. Wie bei allen großen Anubias-Arten ist der Blütenstand deutlich kürzer als der Blattstiel, deshalb sprießen die Blumen unter den Blättern.

Taxonomisch gesehen ist A. gilletii eine “problemlose” Art. Das ist wahrscheinlich die einzige Anubias unter größeren Arten, deren Lage in der Systematik keine Zweifel erregt. Den postsowjetischen Raum “bewohnt” nur die eine Pflanze unter diesem Namen und zwar die, die ich oben beschrieben habe (im Gegensatzt zu den anderen Anubias, die unter mehreren – häufig falschen – Bezeichnungen gehalten und gehandelt werden).


Die Information über diese Pflanze im Internet ist sehr knapp, es gibt Bilder aus dem Botanischen Garten Lyon (Frankreich), aber die Blattform der dort abgebildeten A. gilletii unterscheidet sich etwas von der unserigen. Nichtsdestoweniger konnten wir dank der üppigen Blüte den Bau der Infloreszenz detailliert erforschen. Die Fotos von Sergey Gerasimov zeigten, dass die Theken an den Kanten der Synandrien liegen, die ihrerseits aus 3-5 zusammengewachsenen Staubfaden bestehen. Ähnlich ist die Beschreibung der Struktur des männlichen Teils von der Blume in der Revision Crusios.
Aber in unserem Fall ist die Zahl weiblicher Blumen erheblich größer, etwa 60 (in der Revision dagegen 20-30). Außerdem wiesen Crusios Exemplare von A. gilletii Sprösse (stolons) auf. Wir haben diese Seitensprösse zwar weder bei A. gilletii noch bei allen anderen Anubias-Arten gesehen, jedoch sind diese Unterschiede von geringer Bedeutung.


             
Zu den wenigen negativen Eigenschaften von A. gilletii gehört kein gutes Wachstum im submersen Zustand, obwohl es uns bekannt ist, dass man solche Haltung im Aquarium ein Jahr lang praktizierte. Außerdem ist es schwer, trotz regelmässiger und üppiger Blüte von A. gilletii in Hausorangerieen reifen Pollen zu bekommen.

Schnelle Fäulnis und Verwesung der Gewebe des männlichen Teils von der Blume ist wahrscheinlich auf hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 98%) zurückzuführen, die in relativ kleinen Terrarien bzw. Paludarien herrscht.






Der Autor des Beitrages: Dmitry Loginov.

Der Autor gebrauchte Informationen von der folgenden Internetseite:

Aus dem Russischen übersetzt von Alexander Grigorov
Fotos: Sergey Gerasimov, Dmitry Loginov und Valentina Romanova.

© Dmitry Loginov
© Alexander Grigorov

Freitag, 13. November 2009

Wim Crusio: Der einzige Grund, warum ich 5 Varietäten der A. barteri auszusondern versuchte, war rein pragmatisch (ein "Amazonas"-Interview). Teil 2.

“Amazonas”: Vor kurzem besprachen wir ein morphologisches Merkmal, das in Ihrer Revision nicht enthalten ist. Damit ist auch meine nächste Frage verbunden. Eines der kennzeichnenden Merkmale z.B. der Pflanzen der Gattung Lagenandra ist die involute Knospenlage (Vernation), bei der die austreibenden Blätter von beiden Blatträndern her eingerollt sind. Alle Anubias haben eine konvolute Vernation, das heißt, ihre Blätter sind nur von einem Blattrand her eingerollt. Aber die Richtung dieser Einrollung ist bei verschiedenen Anubias-Arten differentiell (rechts- oder linksläufig). Was bedingt diese Richtung? Ist dieses Merkmal stabil innerhalb einer Art?


Wim Crusio: Also ich muss es zugestehen, ich habe nie der Vernation der Anubias Aufmerksamkeit geschenkt! Und ich weiß nicht, ob dieses Merkmal innerhalb der Arten stabil bleibt. Im großen und ganzen sind sehr wenige Pflanzenarten (und noch weniger Tierarten) lateralisiert, deswegen würde das mich nicht wundern, wenn dieses Merkmal für jeden Klon mehr oder weniger zufällig wäre. In der Kultur scheinen die Arten mehr variabel als in der Natur zu sein, denn oft haben wir verschiedene Pflanzen, die wahrscheinlich von einer begrenzten Zahl der Klone stammen.

“Amazonas”: Welchen Platz nimmt Ihrer Meinung nach die Pflanze unter der Handelsbezeichnung Anubias “coffeefolia” in der Systematik der Anubias ein? Ist sie eine neue Art oder eine künstlich geschaffene Hybride?

Wim Crusio: Ich habe nie eine lebendige A. “coffeefolia” gesehen, nur auf Bildern. Ich glaube, dass es um eine der vielen Varietäten von A. barteri geht. Ich habe mir mehrere Sammlungen wilder Pflanzen dieser Art angeschaut und kann sagen, dass sie extrem polymorph ist.

“Amazonas”: Unter allen Anubias-Arten kann nur Anubias barteri var. nana völlig submers gehalten werden. Dieses Merkmal ist auch für alle interspezifischen Hybriden der Anubias typisch. In diesem Zusammenhang wird’s vermutet, dass ein spezielles Gen für dieses Merkmal (lange Zeite submers zu leben) verantwortlich ist. Was meinen Sie dazu?

Wim Crusio: Als Genetiker zweifle ich daran, dass nur ein einziges Gen für eine so komplexe Eigenschaft wie Fähigkeit zur submersen Lebensweise verantwortlich ist. So viel ich weiß, hat man A. heterophylla mit grösserem Erfolg submers gehalten als andere (oder sogar alle) Varietäten von A. barteri.

“Amazonas”: Zu welcher Art gehört Ihrer Meinung nach diese Anubias (auf dem Bild ist eine zweijährige Pflanze). Was könnte der Grund dafür sein, dass die Stengel so ungewöhnlich (rötlich-braun oder rot) gefärbt sind?






Wim Crusio: Das sieht etweder nach A. barteri var. angustifolia oder nach einer sehr schmalblättrigen Form von A. afzelii aus. Nun brauchen Sie die Größe der Infloreszenz mit den in meiner Revision erwähnten Größen zu vergleichen, doch die Pflanze gehört bestimmt zu A. barteri var. angustifolia.

“Amazonas”: Anubias-Liebhaber haben bemerkt, dass die Spatha von A. barteri – Subspezies ganz am Ende ein bisschen nach unten gekrummt ist oder die Form einer Spiral hat. Laut Ihrer Revision haben Sie mehrere Anubias-Arten kultiviert: Sind diese Unterschieden zwischen den Arten Ihnen aufgefallen? Wovon kann das abhängen: von den Haltungsbedingungen oder von der Physiologie einer einzelnen Pflanze?

Foto A: Аnubias barteri var. caladiifolia mit dem leicht gesunkenen Ende der Spatha am ersten Tag der Blüte.
Foto B: Anubias barteri var. nana auch am ersten Tag der Blüte, aber man sieht, dass die Spatha nicht völlig gesunken ist.






Wim Crusio: Um zu erfahren, was diese Differenzen verursacht, müsste man die Pflanzen unter unterschiedlichen Bedingungen kultivieren und vielleicht auch sie miteinander kreuzen.

“Amazonas”: Einige von uns, Anubias-Freunden aus Russland, Moldowa und der Ukraine, halten Anubias sp. ‘Gabon’. Kennen Sie diese Pflanze (siehe Fotos)?






Wim Crusio: Das ist eine Form von A. barteri. Wahrscheinlich A. barteri var. barteri.

“Amazonas”: Die Taxonomie ist eine relative Wissenschaft. So viel ich weiß, versuchen moderne Systematiker die Verwendung solcher Bezeichnungen wie "Varietät" und "Subspezies" zu vermeiden und beschränken sich auf Arten. Wie stellen Sie sich dazu unter Berücksichtigung des Falls Anubias barteri ein?


Wim Crusio: Ich bin damit absolut einverstanden. Wie ich in meiner Revision schreibe, sind die Grenzen, die ich zwischen den Varietäten zog, eher bedingt. Ein anderer Systematiker hätte das vielleicht anders gemacht und mehr (oder weniger) Varietäten ausgesondert. All das erinnert mich ein wenig daran, wie wir zwischen klein- und hochgewachsenen Menschen unterscheiden: Es gibt unter Menschen mit normalem Körperbau auch Extreme (Zwerge und Riesen), aber innerhalb einer gegebenen Population kann man das ganze Spektrum von klein bis hoch finden.

“Amazonas”: Alle Pistille von Anubias gracilis, die wir bisher gesehen haben, waren rötlich-rosa. Kann die Farbe auch ein Schlüssel zur Indentifikation der Arten sein?



Wim Crusio: Wahrscheinlich. Aber A. gracilis scheint sehr rar zu sein und es ist durchaus möglich, dass alle Pflanzen in Kultur nur von ein und demselben Klon stammen. Ich habe rötlich-rosa Pistille auch bei A. hastifolia gesehen, also von diesem Standpunkt aus wäre es für mich sehr schwer, zwischen barteri und gracilis zu unterscheiden ...


“Amazonas”: Welche Frage war für Sie besonders interessant oder kompliziert?

Wim Crusio: Die komplizierteste war für mich die Frage, ob ich noch Aquarien halte, denn das rief ein nostalgisches Gefühl hervor und ich möchte wirklich mehr Freizeit haben, um mich diesem wunderbaren Hobby wieder zu widmen!

“Amazonas”: Herr Crusio, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Interview: Alexander Grigorov.


Fotos: Sergey Gerasimov, Dmitry Loginov and Konstantin Ilyin.

© Alexander Grigorov